Die Feldlerche ist „Vogel des Jahres 2019“

Wahl von NABU und LBV fällt auf gefährdeten Agrarvogel
Der NABU Deutschland und sein bayerischer Partner LBV, Landesbund für Vogelschutz, haben die Feldlerche (Alauda arvensis) zum „Vogel des Jahres 2019“ gewählt. An die Auswahl knüpfen die Verbände die Forderung nach einer grundlegenden Änderung der europäischen Agrarpolitik. Auf den Star, „Vogel des Jahres 2018“, folgt ein weiterer Vogel der Agrarlandschaft. Damit küren der NABU und der LBV die Feldlerche zum zweiten Mal zum „Vogel des Jahres“ nach 1998.
 

„Diese Ehre wurde bisher nur wenigen Vögeln zuteil. Trotz aller Anstrengungen war die erste Wahl zum Vogel des Jahres leider nicht genug, um die Art zu retten. Denn der alarmierende Rückgang bei den Beständen dieses ehemaligen Allerweltsvogels setzte sich fort“, sagt Heinz Kowalski, NABU-Präsidiumsmitglied.
Im Zeitraum 2004 bis 2007 wurden in Sachsen 80.000 bis 160.000 Brutpaare erfasst – Werte, die seit 1995 einem Rückgang um 40 Prozent entsprechen. Dem Atlas „Brutvögel in Sachsen“ zufolge ist die Feldlerche auf Rodungsinseln wie dem Tharandter Wald oder in Chemnitztal nicht mehr zu finden; am häufigsten dagegen in der Elbaue bei Torgau, im mittelsächsischen Lößhügelland bei Döbeln und im Osterzgebirge bei Fürstenau.

„Es ist unsere Landwirtschaft, die die Feldlerche zu einer gefährdeten Art macht“, erklärt Andreas Winkler vom NABU Erzgebirgsvorland. „Was wir auf den Feldern sehen, ist eine Katastrophe: Monokulturen, Pestizide, Fruchtfolgenarmut entziehen vielen Lebewesen die Lebensgrundlage. Kleine heilpraktische Maßnahmen wie Lerchenfenster helfen nicht, wir brauchen eine grundlegende Revolution in der Landwirtschaft“, appelliert Winkler. Wo auf riesigen Flächen nur noch undurchdringbares Wintergetreide, Raps oder Mais wachsen, fallen die überlebenswichtigen zweiten und dritten Bruten aus. Wenn die Lerchen deswegen auf die vegetationsfreien Fahrspuren im Feld ausweichen, werden sie häufig Opfer von Nesträubern oder von Maschinen überrollt. Zudem fehlt heute meist die Auflockerung der Landschaft durch Brachen, Sommergetreide oder extensiv genutztes Grünland, wo die Vögel auch im späten Frühjahr noch brüten könnten.


Die Nahrung der Feldlerche ist abhängig von den Jahreszeiten. In den kalten Monaten begnügt sie sich mit Pflanzenteilen und Sämereien. Im Frühling kommen Insekten, Regenwürmer oder andere Kleintiere dazu, die besonders für den Feldlerchen-Nachwuchs ein wichtiges Kraftfutter sind. Mit nur 16 bis 18 Zentimetern Körperlänge und der beige bis rötlich-braunen Gefiederfärbung an der Oberseite ist sie im Stoppelfeld gut getarnt. Ihr einziger Schmuck besteht aus feinen, schwarzbraunen Längsstreifen und Strichen am Oberkopf und einer kleine Federhaube.

Foto: Franzke (NABU Vogel des Jahres)