Standpunkt des NABU Deutschland, Regionalverband Erzgebirge zum Artikel: „Wälder der Stadt stehen dramatische Einschnitte bevor“ vom 06.08.2019

Durch das Niederschlagsdefizit der letzten beiden Jahre, sind in weiten Teilen Mitteleuropas die Fehler einer jahrzehntelangen falschen Forstpolitik zu Tage getreten. Der Klimawandel und seine Auswirkungen sind bei Wissenschaftlern bereits sehr lange bekannt. Bei Förstern hat man bisher gedacht, es wird schon nicht so schlimm werden. Nur zögerlich versuchte man Fichtenplantagen in naturnahe Bestände umzubauen. Dies ist in den Forstbezirken des staatseigenen Sachsenforstbetriebes im unterschiedlichen Maß erfolgt. Aber noch 2017 wurde diskutiert, den Waldumbau zu verzögern, um mehr gewinnträchtiges Nadelholz zu verkaufen.

Seit bestehen des Staatsbetriebes Sachsenforst (2006) wurden jährlich etwa 1200 ha Nadelforsten in naturnähere Bestände umgewandelt. Dies sind bis heute hoch gerechnet 16 000 ha. Sachsenforst bewirtschaftet aber 200 000 ha. Davon sollen zwei Drittel Laubmischwälder werden. Um dieses Ziel zu erreichen, bräuchten die Förster fast 100 Jahre. Wir können aber nicht einmal abschätzen, wie das Klima, die Extremwetterlagen und die Niederschläge in den nächsten 10 Jahre aussehen werden, geschweige denn, welche Baumarten unter diesen Bedingungen wachsen können.

Im Prinzip sind viele Waldbesitzer und auch der Sachsenforst pleite. Durch den Personalabbau im Staatsbetrieb verfügt der Sachsenforst kaum noch über eigenes Personal. Die privaten Forstunternehmen haben so viele Aufträge, die von Borkenkäfern befallenen Bäume zu ernten, dass sie die Preise frei nach oben gestalten können. Die Lagerkapazität ist ausgelastet und Sägewerke könnten in drei Schichten arbeiten. Die Holzpreise sind durch das Überangebot im Keller. Die wenigen Forstbaumschulen können den neuen Pflanzbedarf der Wälder nicht decken.

Aber mit Geld lassen sich ja alle Probleme bekanntlich regeln und so wurde in der „Moritzburger Erklärung“ unter Anwesenheit von Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sowie den Landwirtschaftsministern der Länder von CDU und CSU festgelegt, das für den "Waldumbau" 800 Millionen Euro aus Steuergeldern des Bundes aus dem Klimafonds für die nächsten 4 Jahre zur Verfügung gestellt werden!

Die Fehler, die jahrzehntelang in den Forstbetrieben gemacht worden sind, können auch mit 800 Millionen Euro nicht repariert werden. Es wäre nur eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die eigentlich Pleite gegangenen Forstbetriebe.

Das Horrorszenario, welches heraufbeschworen wurde, ist durch nichts zu rechtfertigen. Borkenkäfer, Sturm und Hitze müssen aus Naturschutzsicht als Chance genutzt werden. Der Wald wächst auf alle Fälle auch alleine. Dann können natürliche Auslese und Anpassung wirken (im Sinne Darwins) und der Wald ist natürlich und in allen seinen ökologischen Funktionen besser als der "umgewandelte Wald". Im Nationalpark Bayrischer Wald wird der Borkenkäfer nicht als Schädling gesehen, sondern „als großer Waldgestalter“ (Dr. Franz Leibl, Vorsitzender der Nationalparkverwaltung).

Es gibt aber auch gute Nachrichten, die kommunalen Wälder der Stadt Chemnitz sind zur Zeit weit weniger betroffen, als die stadtnahen Wälder des Sachsenforstbetriebes. Durch die damalige Initiative des BUND und des NABU wurde vor über 20 Jahren verhindert, dass die letzten alten Buchenwälder in der Stadt geschlagen worden sind. Seit dieser Zeit gab es eine massive Naturverjüngung der Buche und anderer Laubbäume. Die Altbuchenbestände wurden als FND unter Schutz gestellt und die Bewirtschaftung des Waldes erfolgt unter dem internationalen FSC-Zertifikat, das auch beinhaltet, dass die Bewirtschaftung mit eigenem Personal erfolgt.

Nun fehlt nur noch die Erkenntnis bei den verantwortlichen Mitarbeitern, dass Harvester und schwere Transportfahrzeuge wegen der Bodenverdichtungen, die diese Geräte verursachen, auf den stadtnahen Erholungsflächen nichts zu suchen haben.

 

 

Dr. Frank Hullmann , Vorsitzender NABU Regionalverband Erzgebirge

Ulrich Schuster, Mitglied beim NABU Regionalverband Erzgebirge